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Extra: Die Überwachungsexperten - eBay, Paypal und der Rest
 

Ähnlich wie bei Google, beschränkt sich auch das Angebot von eBay nicht nur auf seinen ursprünglichen Hauptdienst mit dem es bekannt geworden ist, sondern übernahm eine Reihe von Anbietern und erweiterte so seinen Einfluss. Seit 2005 gehört der beliebte VoIP-Dienst Skype zu eBay, ebenso wie der Online-Bezahldienst PayPal (2002) und mobile.de (2004). eBay seinerseits ist ein Unternehmen, das bereits mehrmals durch seine Kundenüberwachung in scharfe Kritik geriet.

So muss sich der Kunde bei Abschluss eines eBay-Accounts per Geschäftsvereinbarung damit einverstanden erklären dass alle erhobenen Daten an den Mutterkonzern in die USA versendet werden

(Die Postanschriften wurden der besseren Lesbarkeit wegen, gekürzt):

"Ich willige ein, dass die eBay Europe (...), Luxemburg und die eBay International AG, (...) Bern, Schweiz, meine personenbezogenen Daten erheben und an die eBay Inc (...) San Jose 95125, USA, übermitteln".

(Zitat Datenschutzbestimmungen von eBay - Stand Juni 2007)

Daten werden ebenfalls auch an Dritte weitergegeben - etwa an staatliche Überwachungsstellen. Bei eBay liest sich das wie folgt.

"Soweit die Übermittlung meiner Daten an Dritte nicht aufgrund eines Gesetzes, insbesondere nach dem BDSG, erlaubt ist, willige ich ein, dass eBay, soweit dies erforderlich ist, meine personenbezogenen Daten an Strafverfolgungs-- und Aufsichtsbehörden zur Abwehr von Gefahren für die staatliche und öffentliche Sicherheit sowie zur Verfolgung von Straftaten übermittelt".

(Zitat Datenschutzbestimmungen von eBay - Stand Juni 2007)

Es stellt sich die Frage wie dabei „Gefahren für die staatliche Sicherheit“ definiert werden.

Da verwundert dann auch ein Artikel der israelischen Zeitung "Haaretz" aus dem Jahr 2003 nicht, in dem Joseph Sullivan, Direktor der Rechtsabteilung von eBay auf der Konferenz "Cyber Crime 2003" wie folgt zitiert wird: "Ich kenne kein Unternehmen dass vergleichbar flexible Datenschutzbestimmungen hat wie eBay".

Er erklärte seine Aussage damit, dass eBay sich kooperativ verhalten werde, wenn es zu entsprechenden Anfragen der Strafverfolgungsbehörden komme. So ließen sich die meisten Sachverhalte unbürokratisch regeln - es sei kein richterlicher Beschluss notwendig um an die gewünschten Informationen über den Benutzer zu gelangen - es genüge bereits eine Anfrage des ermittelnden Beamten per E-Mail oder Fax.

Das bedeutet, dass ein Staatsanwalt, Polizist oder Geheimdienstagent (CIA, NSA..) bereits auf E-Mail-Anfrage Einsicht in das komplette Profil des verdächtigten eBay-Benutzers erhält. Neben dem Account-Nicknamen zählen auch der vollständige Realname, die Anschrift sowie die Versandadresse ebenso zu diesen Angaben, wie Kontaktdaten (E-Mail, Telefonnummer) und gegebenenfalls die Anschrift des Unternehmens bei dem der verdächtige Verkäufer beschäftigt ist. Zusätzliche Informationen werden dem Strafverfolgungsbeamten in Form von Logdateien bereitgestellt, aus denen hervorgeht, welche Artikel der Benutzer aufgerufen hat, wie seine Gebote aussahen und welche Höhe die von ihm bezahlten Preise hatten. In den Logfiles finden sich auch erhaltenes Feedback und Beurteilungen, sowie alle von ihn gemachten Postings auf der Seite.

Sollte man dann angesichts all dieser Überwachung wenigstens den gesetzlich garantierten Widerspruch gegen die Nutzung der eigenen Daten in Anspruch nehmen wollen, so ist dies nur noch auf den Formularseiten von eBay möglich.

Bei der eBay-Tochter PayPal sieht es nicht besser aus

In gewisser Hinsicht ist PayPal noch paranoider als eBay. Sollte nur der geringste Verdacht wie eine entfernte Namensähnlichkeit des Kontoinhabers mit einer "Blacklist" von Drogenhändlern oder Terroristen bestehen, wird das Konto eingefroren und per E-Mail wird eine Identitätsbestätigung gefordert. Nach welchen Kriterien genau die Selektion erfolgt ist nicht bekannt. Das führt letztendlich dazu, dass man, so man wieder an sein Geld möchte, ein persönliches Dokument an eine unbekannte, nicht näher bezeichnete Stelle ("Privacy Department") nach Omaha (Nebraska) schicken muss, die dann alles weitere arrangiert.

Neben eBay und PayPal gibt es schließlich noch ein weiteres Unternehmen, dem man nicht vorbehaltlos sein Vertrauen schenken sollte - den bekannte Online-Versandhändler amazon.com. Bereits 2005 gab es Proteste, da die Benutzerdaten in den USA gespeichert werden und darüber hinaus vergleichbare Angaben wie bei eBay (Anschrift, Zahlungsdaten, Aufrufe von Produkten und die dazu gehörigen Suchbegriffe, Bestellungen und Verkäufe, E-Mails) gesepichert. Da diese Daten auf Servern in den USA unter den Patriots Act und vergleichbare Regelungen fallen, verfügen Strafverfolgung und Geheimdienste nun über eine weitere zuverlässige Quelle für personenbezogene Informationen.

Einen kleinen Skandal gab es Anfang Juni 2009 als die Teilnahme der rechtsextremen NPD am Partnerprogramm von amazon bekannt wurde.  Der Verfassungsschutz entdeckte auf einer entsprechenden Webseite Empfehlungen für amazon-Produkte mit deren Kauf "man die Arbeit dieser Nachrichtenseite" unterstützen könne. Diese Geschäftsbeziehung erregte einiges Aufsehen, so dass Politiker parteiübergreifend zum Boykott von amazon riefen, so lange das Unternehmen weiterhin die  rechtsextreme Partei auf diese Weise unterstützen würde.

Problematisch für gewerbliche Händler bei Amazon ist auch, dass sie dem Portal mit Einwilligung der AGB (Stand 15.04.2008) ein uneingeschränktes Recht auf kostenlose Verwendung und die Weitergabe des gesamten vom Händler öffentlich gemachten Materials (Produktbilder, Texte etc) einräumen. In welcher Weise diese dann von amazon oder möglichen Dritten genutzt werden, kann vom Händler nicht mehr nachvollzogen werden.


 

Spionage von eBay & Co - was kann man tun?

Die einzige effektive Methode gegen eBay-Spionage und PayPal-Paranoia ist es, keinen der angebotenen Dienste zu nutzen (Ja, Sicherheitslösungen können auch so einfach sein Zwinkern )

Ob andere Online-Kaufplattformen pfleglicher mit den Daten ihrer Kunden umgehen, kann getrost bezweifelt werden. Sie werden eventuell nicht in so großem Stil arbeiten, aber Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist (ähnlich wie etwa bei Rabattmarken).

Als mögliche Alternative beim wird jedoch oft der Online-Buchversand Bookzilla ssl (DE) genannt, das als deutsches Unternehmen zu libri.de gehört. Zwar werden auch hier Benutzerdaten gespeichert, allerdings kommen die fünfprozentigen Buchprovisionen der Free Software Foundation Europe zugute. Wenn also unbedingt Literatur online gekauft werden muss...

Wie in der praktischen Anleitung beschrieben wird, ist es mit einer optionalen Firefox-Erweiterung sogar möglich, solche Webseiten komplett zu blockieren, was das boykottieren dieser Anbieter noch einfacher macht.

 


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