Home | Impressum  
 
Webseitenlogo

Allgemein

Grundlagen

Praxis

Sonstige Texte

Für Hinweise, Kommentare, oder Kritik nutzen Sie bitte den Menüpunkt "Kontakt & Sonstiges"

Yahoo - Jubelruf einer Zensurmaschine
 

Das Yahoo ProtestlogoWährend Google hauptsächlich wegen seiner groß angelegten Sammlung verschiedener Daten im Internet und den dadurch gegebenen Möglichkeiten zur Überwachung von Nutzern kritisch zu sehen ist, hat der Konkurrent Yahoo!! offenbar seine ganz eigene Datenschutz-Definition und erntet daher vor allem Kritik durch die Zensur des Internets.

So haben Yahoo! USA und auch Yahoo! Deutschland im Februar 2008 die Webseite "The Pirate Bay" aus ihrem Suchindex entfernt, so dass Pirate Bay nicht mehr mit der Suchmaschine gefunden werden kann. Bei The Pirate Bay handelt es sich um ein Angebot, dass durch so genannte Torrents das herunterladen von urheberrechtlich geschütztem Material ermöglicht. Damit handelt es sich bei der Aktion von Yahoo! um einen der vielen Versuche, die Verbreitung von Raubkopien durch Zensur zu verhindern.

Besonders kritisiert wird Yahoo! jedoch für die Unterstützung der Strafverfolgung von Regimekritikern und anderen unliebsamen Personen in der Volksrepublik China. Die nationale Internet-Zensur der VR China ist fast schon allgemein bekannt und in der Tat waren sind dort zahlreiche Kontrolleure aktiv, die als „Internet-Polizei“ im Rahmen des Projekts „Golden Shield“ nach unliebsamen Seiten suchen und sogar diesbezügliche eigene Webseiten haben .

Allerdings scheinen selbst Maßnahmen wie die „Great Firewall of China“ nicht lückenlos zu sein, berichtete doch bereits die NY Times im März 2006, das zwar Chinas politische Zensur wirke, andererseits die Flut von Pornographie und Betrugsseiten nicht abnehme.

Für Internetnutzer die am eigenen Browser erleben wollen, wie sehr die Zensur in das Surferlebnis im Netz eingreift, wird sogar eine Firefox-Erweiterung namens "China Channel" zur Verfügung gestellt, durch die der Surfer eine chinesische IP erhält und demzufolge unter die Zensur der chinesischen Netzpolitik fällt. Wie gefährlich diese Erweiterung für die Privatsphäre des Benutzers ist, ist mir unbekannt.

Das in China Informationen immer noch alles andere als frei verfügbar sind, liegt nicht zuletzt auch an der Selbstzensur ausländischer Unternehmen.

Firmen die auf dem chinesischen Markt Geschäfte machen wollen, müssen eine entsprechende Erklärung unterschreiben, die sie unter anderem zur Selbstzensur verpflichtet. Diverse Internet-Unternehmen haben sich diesen Bedingungen gebeugt, darunter Microsoft, Google und Yahoo! Die Argumente praktisch aller ausländischen Firmen lauten: Man müsse sich an die örtlichen Gesetze halten, sonst sei es unmöglich Geschäfte zu machen und schließlich sei ein Internet mit Zensur immer noch besser als gar kein Internet.

Microsofts Zensurwille wurde bereits 2005 Thema als bei der Erstellung von Blogs auf MSN China sowohl bei der Wahl von Blogtiteln die Verwendung von Begriffen wie "Demokratie" und "Freiheit" mit einem Zensurhinweis geblockt, als auch Wortfilter für die Texte eingeführt wurden.  Während jedoch Microsoft und seit 2006 auch Google sich scheinbar „nur“ selbst zensiert, scheint Yahoo! direkt mit der politischen Führung zu kooperieren und die dortige Strafverfolgung aktiv zu unterstützen. Dass die Bereitschaft, Marketing über Moral zu setzen für Menschen verheerende Folgen haben kann, zeigte sich bald.

So erregten durch die Festnahmen von politischen Dissidenten in China die Geschäftspraktiken von Yahoo! ungewollt großes Aufsehen.

  • Der bekannteste Fall, dürfte das Schicksal des Journalisten Shi Tao sein. Er wurde 2004 festgenommen und 2005 wegen „Weitergabe von Staatsgeheimnissen“ zu zehn Jahren Haft verurteilt. Er hatte eine Zusammenfassung der Inhalte einer Anweisung der kommunistischen Partei verfasst, die sich mit den Auflagen an Journalisten anlässlich des 15. Jahrestages des Tiananmen-Massakers befasste.

Er hatte seinen privaten Yahoo! E-Mail-Account dazu genutzt dieses Material anonym an eine demokratisch gesinnte Webseite zu schicken. Daraufhin hatte Yahoo! Hongkong, obwohl sie nicht dazu verpflichtet gewesen wären, diese Daten an die chinesische Staatssicherheit weitergegeben. Entgegen ihren Behauptungen scheint das Unternehmen offensichtlich ohne jeden juristischen Zwang die IP und E-Mail-Daten des Journalisten freiwillig bereitgestellt zu haben (so Spiegel Online im März 2006) .

  • Bereits im September 2003 war Wang Xiaoning ebenfalls zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte in den Jahren 2000 und 2001 unter Verwendung einer Yahoo! E-Mail-Adresse in Yahoo! Groups demokratische Ideen geäußert. Nachdem sein Account gesperrt worden war, legte er sich einen neuen Yahoo! Account zu und versandte nun E-Mails.

Daraufhin gab Yahoo! 2002 die Benutzerdaten von Wang heraus und offenbarte damit seine Identität. Er kam in Haft und berichtet, dort gefoltert worden zu sein. Im April 2007 verklagte seine Frau Yu Ling Yahoo! in den USA wegen Menschenrechtsverstößen. Im August desselben Jahres beantragt Yahoo! die Klage abzuweisen, man habe sich ja lediglich an die dort geltenden nationalen Gesetze gehalten.

Im November  2007 gab es dann schließlich doch eine offizielle Erklärung von Yahoo, man habe sich mit den Dissidenten bzw deren Klägern einigen können. Yahoo werde künftig die Familien von Shi Tao und Wang Xiaoning finanziell unterstützen. Außerdem werde ein humanitären Fonds für weitere Dissidenten und deren Angehörige eingerichtet. Allerdings erklärte ein Anwalt der Betroffenen, dass Yahoo kein Schuldeingeständnis abgegeben habe und jede Verantwortung zurückweise.

Über die allgemeine Stellungnahme von Yahoo! zu Fällen bei denen es zur Verhaftung von Dissidenten kam, lässt sich streiten. Die offizielle Erklärung lautet, man würde lediglich den legitimen Anfragen der Strafverfolgung entsprechen, das Unternehmen selbst würde aber keine genauen Hintergrundinformationen zu Art und Umfang der Straftat erhalten. Daher sei es Yahoo! nicht nur unmöglich nachzuvollziehen welche Personen verhaftet würden, auch einen Einfluss darauf ob in einigen Fällen vielleicht politische Aktivisten oder Journalisten betroffen sein könnten habe Yahoo! nicht.

Das sich an dieser Haltung in absehbarer Zeit voraussichtlich nichts ändern wird, scheint wahrscheinlich wenn man bedenkt, dass Yahoo! Aktionäre im Juni 2007 zwei von Amnesty International unterstütze Anträge ablehnten, in denen mehr Widerstand gegen Internetzensur und die Einführung eines Yahoo!-internen Menschenrechtskomitees gefordert wurden.

Mit der Beihilfe zur Internet-Fahndung nach tibetischen Demonstranten zeigte sich, dass sich Yahoos Kooperationsbereitschaft noch weiter erstreckt. Im Jahr 2008 kam es in Tibet zu Unruhen und Aufständen. Das Land, dass seit 1950 von China besetzt ist und nun offiziell als Provinz und Teil Chinas bezeichnet wird, leidet seit seiner Besetzung unter einem kulturellen Völkermord. Waren in den Jahren zuvor unter anderem tibetische Frauen sterilisiert worden, so sind es jetzt vor allem Umsiedlung von Chinesen die dazu beitragen die tibetische Kultur systematisch zu zerstören.

Im März 2008 hatte es in Tibet zunächst friedliche Demonstrationen gegeben, die jedoch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen führten. Durch Einsatz von Waffengewalt schlug die chinesische Armee den Aufstand nieder.Um vermeintliche "Rädelsführer" und Personen die sich besonders aktiv auf Demonstrationen verhalten verhaften zu können, wurde die Fahndung nach tibetischen Demonstranten auch ins Internet ausgeweitet. Im Rahmen der Fahndung wurden die Fotos vom 24 Tibetern die an Demonstrationen teilgenommen hatten auf verschiedenen Webseiten öffentlich präsentiert.

Diese Steckbriefe wurden auch auf den Portalen von Yahoo! und Microsoft veröffentlicht. Während die englischsprachige Version von Yahoo! durch die chinesischen Zensurbehörden zunächst blockiert wurde und MSN die Fotos zwar veröffentlichte, jedoch nicht auf der Titelseite präsentierte, folgte das Portal Yahoo! China der Anordnung der Behörden in vollem Umfang und veröffentlichte den vollständigen Fahndungsaufruf inklusive Fotos und Namen der gesuchten Tibeter auf der Titelseite.

Yahoo! versuchte sich im Anschluss herauszureden, die Firma Yahoo! Incorporated selbst hätte in keinem Fall derartige Fotos auf seinen eigenen Seiten präsentiert, dafür verantwortlich würde sich der chinesische Anbieter Alibaba.com zeigen, der das Portal Yahoo! China selbstständig verwalte. Diese Argumentation ist jedoch durchaus fragwürdig, denn erstens trägt das Portal nach wie vor den Namen Yahoo! und zweitens ist die Yahoo! Inc. nicht nur der Besitzer der Domain, sonder hat darüber hinaus auch noch die Kontrolle über 40% des chinesischen Unternehmens.

Nicht umsonst klagen immer wieder Organisationen wie "Amnesty International" und "Reporter ohne Grenzen" Yahoos China-Politik an.

Möglicherweise unterstützt Yahoo! auch die Regierungen anderer Staaten bei der Verfolgung von politisch unliebsamen Kräften. So kamen etwa Gerüchte auf, das Unternehmen habe auch bei den Protesten im Iran im Oktober 2009 der Regierung Nutzerdaten in die Hand gespielt. Zwar blieben entsprechende Behauptungen unbestätigt und stellten sich als falsch heraus - Yahoo! dementierte zusätzlich in einem entsprechenden Schreiben jede Kooperation - allein die Entstehung solcher Gerüchte zeigt jedoch, zu welch zweifelhaftem Ruhm das Unternehmen es bereits geschafft hat.

Yahoo! denunziert in China - was kann man tun?

Ebenso wie bei anderen großen Unternehmen deren Politik man missbilligt, so ist auch hier die konsequenteste Form des Widerstands gegen die Geschäftspolitik der vollständige Yahoo!-Boykott. Über den Sinn oder Unsinn von Boykott wird viel diskutiert - wie auch bereits im Kapitel zu Google angesprochen - ob beispielsweise ein Menschenrechtsaktivist der Microsoft Windows verwendet, einen Yahoo!-Mailaccount nutzt und bei Google sucht  nicht unglaubwürdig, da inkonsequent ist.

Selbstverständlich sollte sich niemand an einem Protest beteiligen, von dem er nicht selbst überzeugt ist, doch auch wenn man sein Verhalten nicht sofort gänzlich ändern will, so kann der Boykott aller von Yahoo! angebotenen Dienste dennoch ein Schritt in die richtige Richtung sein. Das ist allerdings mitunter schwierig, oder zumindest unbequem, gehören doch eine ganze Reihe beliebter Dienste dem Giganten Yahoo!.

Ein Anti Flickr LogoMindestens einer von ihnen folgt dabei dem Beispiel des großen Bruders Yahoo! wenn es um Rechte geht, denn auch die populäre Foto-Community Flickr zensiert Inhalte - auch in Deutschland. Die besondere länderspezifische Zensur bei Flickr erregte in Deutschland im Juni 2007 Aufsehen. Bei der Suche nach Bildern die als "eingeschränkt" klassifiziert wurden, oder beim Aufrufen einiger Benutzerprofile und Gruppen erhalten deutsche Nutzer jeweils eine Nachricht, dass die betreffenden Inhalte nicht angezeigt werden können. Auch in der Flickr-Hilfe finden sich entsprechende Aussagen (in Englisch und Deutsch):

Flickr-Hilfe zu "Inhaltsfilter/Inhaltstyp":

"Note: If your Yahoo! ID is based in Singapore, Germany, Hong Kong or Korea you will only be able to view safe content based on your local Terms of Service".

„Hinweis: Wenn Sie eine Yahoo! ID aus Singapur, Hongkong oder Korea verwenden, werden Ihnen nur sichere Inhalte gemäß den für Ihr Land geltenden Servicebedingungen angezeigt. Sie können also die sichere Suche nicht deaktivieren. Wenn Sie eine Yahoo ID aus Deutschland haben, können Sie aufgrund der dort geltenden Servicebedingungen keine eingeschränkten Inhalte anzeigen".

Text der Flickr-Hilfe zu "Was ist die sichere Suche":

"Note: If your Yahoo! ID is based in Singapore, Hong Kong or Korea you will only be able to view safe content based on your local Terms of Service so won’t be able to turn SafeSearch off. If your Yahoo! ID is based in Germany you are not able to view restricted content due to your local Terms of Service."


"Hinweis: Bitte beachten Sie, dass Sie mit einer Yahoo!-ID aus Deutschland die Suche aus rechtlichen Gründen lediglich auf die Kategorie „Mittel“ ausweiten können. Eine Suche innerhalb der Kategorie „Eingeschränkt“ ist daher leider nicht möglich".

In offiziellen Stellungnahmen erklärt Flickr Deutschland mehrmals, es würde sich um keine Zensur handeln, die Rechtssprechung in Deutschland sei aber im Vergleich zu vielen europäischen Nachbarländern besonders restriktiv, so dass man in diesem Fall lediglich der deutschen Gesetzgebung folgte.

Es mag sich also nicht um politische Zensur handeln, der "Schuldige" wäre in diesem Fall also der jeweilige Staat, der eine entsprechende Regelung fordert. Ähnlich wie bei der Mutter Yahoo! könnte es jedoch auch bei Flickr sein, dass man präventiv mit Kanonen auf Spatzen schießt.

Die Förderung einer freien Netzkultur sieht selbstverständlich anders aus - manch einer würde eventuell dennoch von chinesischen Zuständen sprechen. Tatsächlich kamen hauptsächlich in diversen Blogs sogar Begriffe wie "filtr", "zensr" und "f*ckr" als Alternativbezeichnungen für flickr auf. Sollte man trotz dieser Bedenken den Dienst trotzdem nutzen wollen, so genügt es bislang  (Stand Januar 2009) einen Wohnort außerhalb Deutschlands (etwa die USA) anzugeben, um das Angebot dennoch unzensiert nutzen zu können. Wie lange diese Möglichkeit Erfolg hat bleibt abzuwarten.

Im September 2009 änderte flickr zumindest einen anderen Teil seiner Politik. Statt Bilder beim Verdacht eines Urheberrechtsverstoßes sofort zu löschen, wird nun ein Warnhinweis angezeigt. Sollten sich die jeweiligen Vorwürfe als unbegründet erweisen, so sei es einfacher das Originalfoto wiederherzustellen. Flickr lenkte nach Protesten gegen die Entfernung einer Obama-Parodie ein.

Auch weitere Angebote sind Eigentum von Yahoo! und könnten somit von entsprechend motivierten Internetnutzern ebenfalls boykottiert werden. So gehören die beiden nach wie vor beliebten Suchmaschinen AltaVista und AlltheWeb ebenfalls zum Imperium der Firma mit dem “Y!”

Einige bekannte Angebote sind nicht mehr bei Yahoo vertreten: Der  amerikanische Dienst für Social Bookmarking Namens delicious war zwar seit seit Dezember 2005 ebenfalls Bestandteil des Angebots, wurde im April 2011 jedoch an Avos, einem Unternehmen der Gründer von YouTube verkauft. Der Preisvergleichsdienst kelkoo ging bereits 2008 an Jamplant.

Seit 2007 scheint sich innerhalb des Unternehmens einiges zu bewegen. So wurde immer wieder von schlechtem Management und finanziellen Problemen gesprochen, 2007 gab es Versuche eine Übernahme durch Microsoft , die jedoch erfolglos verliefen und Yahoo! 79 Millionen US-Dollar kosteten. In den beiden Folgejahren kam es zu Rücktritten und Ausstiegen aus der Firma. Ob sich dadurch jedoch künftig etwas an der Zensurpolitik von Yahoo! ändert, ist allerdings fraglich. Aus Datenschutzsicht scheint es also vorerst weiterhin nicht empfehlenswert, seine Daten im Internet ausgerechnet Yahoo! anzuvertrauen.




Lizenzbedingungen:
CC Lizenz
Dieses Werk von zazengate steht
unter einerCreative Commons Lizenz.